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Wolfgang Ferner
Strafzumessung in der anwaltlichen Praxis
1. Auflage 2003
250 Seiten
ISBN 3-8240-0577-8
Anwaltspraxis
44.00 €
Klicken Sie HIER um den Katalog jetzt zu bestellen
 
 
Entscheidung des Reichsgerichts
in Strafsachen 1880 – 1944 (RGSt)
Archiv-DVD
deGruyter, Berlin. 77 Bände, 36.000 Seiten, 968 €
 
 
Die Rechtsprechung des Reichsgerichtshofes in Strafsachen von 1880 – 1944 oder von der Pockenseuche (Urteil des 2. Strafsenats vom 21.10.1897 REP 26/79) bis zur Feststellung, das eine deutsche Frau sich des Umgangs mit Kriegsgefangenen durch Unterlassen strafbar macht, wenn sich die Täterin darauf beschränkt, sich die Annäherung des Kriegsgefangenen gefallen zu lassen, ohne ihn in seine Schranken zurückzuweisen (1. Strafsenat, Urteil vom 04.01.1944 1 D 364/43). Entschieden hat das Reichsgericht auch, wann und gegen wen § 1 Tarnungsverordnung anwendbar ist, wenn der jüdischen Charakter einer Aktiengesellschaft verschleiert, deren Geschäftsbetrieb in der Verwaltung gesellschaftseigene Hausgrundstücke besteht, verschleiert wird (2. Strafsenat, Urteil vom 13.01.1944, 2 D 225/43).
 
Das Produkt ist nicht nur ein Lehrstück juristischer Literatur, auch heutige Juristen sollten sich der politischen Tendenzen der Gerichte, insbesondere der Strafgerichte, klar machen. Auch das Reichsgericht empfand sich nicht als Speerspitze der Regierung, das Reichsgericht hat sich entsprechend dem eigenen Bewusstsein nur um geltendes Recht gekümmert – mit der Konsequenz, dass kein Richter des Reichsgerichts im demokratischen Folgestaat der Bundesrepublik Deutschland verurteilt wurde.
 
Die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Justizgeschichte wird erleichtert und zu einem günstigen Preis erleichtert durch dieses technisch hervorragende Produkt. Die Wiedergabe der Entscheidungen erfolgt im PDF-Format. Ohne Studium der Anleitung fällt es jedermann leicht, die DVD zu installieren und das Programm zu bedienen. Die Recherchemöglichkeiten sind sehr gut, die Dokumente können ohne Probleme ausgedruckt werde.
 
Platz sparend und leicht zugänglich ist damit die gesamte Rechtsprechung des Reichsgericht in  Strafsachen: Die Archiv DVD enthält sämtliche Entscheidungen im Volltext. Der Zugriff auf die einzelnen Entscheidungen kann dabei über dem Band, das Datum, das Aktenzeichen oder über Stichworte erfolgen. Diese ermöglichen diese im PDF üblichen Übersichten. Der Zugang zu dem Programm ist einfach, die Hilfe, die geboten wird, ist umfassend. Das Werk wird zu einem sehr vernünftigen Preis angeboten, sodass jede Kanzlei, die etwas aus sich hält, die DVD erwerben sollte.
 
 
 
Roxin
Täterschaft und Tatherrschaft
deGruyter, 8. Auflage, 2006, 820 Seiten, 84,00 €
 
 
Roxins ist ein Klassiker der neuen juristischen Literatur und eine der einflussreichsten Monographien. Roxins Konzeption der Abgrenzung von Täterschaft und Teilnahme hat im Wesentlichen auch die Neufassung des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches, so wie er am 01.01.1975 in Kraft getreten ist, beeinflusst: Gesetz wurde die von Roxin entwickelte Tatherrschaftslehre.
 
Die Gesetzesänderung, die nach den beiden ersten Auflagen in Kraft getreten ist, haben Roxin in der 8. Auflage veranlasst, einen Schlussteil 2006 anzufügen: „Zum neuesten Stand der Lehre von Täterschaft und Teilnahme, der immerhin ca. 220 Seiten umfasst. Eine vorläufige Analyse der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zeigt für Roxin, dass der BGH eine zunehmende Abwendung von einer rein subjektiven, allein auf den Täterwillen abstellenden Unterscheidung annimmt – damit auch in den weit gegliederten Bereichen des Betäubungsmittelstrafrechts der Tatherrschaftslehre von Roxin gerade auch in den Bereichen der Betäubungsmitteleinfuhr akzeptiert. Gerade hierbei ist es hilfreich noch einmal auf die Grundlagen der Tatherrschaftslehre, von Roxin ausführlich dargestellt zurückgreifen zu können. Schwieriger und weniger ausgereift ist dies bei den „eigenhändigen“ Delikten, wobei der Schwerpunkt der früheren eigenhändigen Delikte (Homosexualität und Ehebruch) in der Zwischenzeit straffrei gestellt ist. Roxin spricht bei den Verbleibenden auch gerne von den höchstpersönlichen Pflichtdelikten, etwa § 323a StGB oder § 316 StGB. Strafgrund laut Jakobs[1]  sei nicht die Gefährlichkeit einer Enthemmung, sondern „die Preisgabe der Möglichkeit, den Konflikt, den die Tat im Rausch darstellt, durch Zurechnung zu erledigen. Die Pflicht die Zurechenbarkeit nicht zu vernichten, trifft nur den jeweiligen Adressaten der Zurechnung und ist somit eine Sonderpflicht.“ Gerade der Schlussteil macht dieses Buch in der strafrechtlichen Diskussion und auch in der Praxis unverzichtbar. Die gesamte Rechtsprechung, soweit sie von praktischer Relevanz wird, wird in diesem Buch aufgearbeitet. Mängel eines Urteils aufzuspüren wird gerade in den schwierigen Bereichen der Abgrenzung des § 25f StGB zu einer wahren Fundgrube.
 
 
 
Franke/Wienroeder
Betäubungsmittelgesetz
C. F. Müller, 3. Auflage 2008, 710 Seiten 75,00 €
 3811443534
 
 
 
 
Verteidigung in Betäubungsmittelverfahren ist einer der wichtigsten Bereiche engagierter Strafverteidigung. Ein Großteil der Strafprozesse wird um Drogendelikte geführt, was zu einer nahezu unüberschaubaren Judikatur im Bereich des materiellen Strafrechts und des Prozessrechts geführt hat. Detailkenntnisse sind zur Vorbereitung der Verteidigung ebenso wichtig wie die Möglichkeit, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen.
 
Die Autoren haben sich daher zum Ziel gesetzt, mit ihrem Buch einen kompakten Kommentar, der den schnellen Einstieg in die BGH Rechtsprechung ermöglicht, zu veröffentlichen.
 
Genau über diese Rechtsprechung des BGH informieren die Autoren präzise und zusammenfassend, so dass eine schnelle und sichere Information für den Verteidiger möglich wird. Deutlich wird dies an der Diskussion der Rechtsprechung zum „Handeltreiben des Kuriers“. Hatte sich in der Vergangenheit eine äußerst extensive und wenig differenzierte Rechtsprechung entwickelt, die auch in der einfachen Einfuhr von Betäubungsmittel zugleich als Handeltreiben gewertet hat, so änderte sich diese Rechtsprechung in den letzten Jahren drastisch: siehe hierzu BGH NJW 2007, 1220; BGH NStZ-RR 2001, 148; BGH NJW 2007, 2274 und nicht zuletzt BGHSt 50, 252.
 
Die Autoren verzichten ausdrücklich auf eine weitere Diskussion der Bewertung der Kuriertätigkeit und stellen fest, dass eine mögliche Unterbewertung von Vorgängen und Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Einfuhr von Drogen zwar möglicherweise noch von wissenschaftlichem Interesse sein können, auf die Rechtspraxis habe diese Diskussion (jedenfalls derzeit) keinen Einfluss mehr. Es bleibt daher dabei, dass auch bei einem Kurier Mittäterschaft zum Handeltreiben nur noch angenommen wird, wenn er einen Einfluss auch auf den Vertrieb nach Ablieferung der Drogen im Inland hat.
 
Konsequent und notwendig ist im Rahmen eines Kommentar zur Betäubungsmittelstrafrecht, der sich unter anderem an Rechtsanwälte und Richter wendet, eine Auseinandersetzung mit einigen Aspekten des Strafprozesses. Dies sind insbesondere Fragen der Beweiswürdigung, der Beweiserhebungs- und der Beweisverwertungsverbote, die Diskussion um „gesperrte Beweismittel“ sowie der Einsatz von verdeckten Ermittlern.
 
Daneben werden auch Probleme der Strafzumessung sowie die neuere Rechtsprechung zur Frage der Entziehung der Fahrerlaubnis erörtert. Dies alles macht das Buch zu einem praxistauglichen Kommentar, der empfehlenswert ist.
 
 
 
Peter
Das Einmaleins der Hauptverhandlung
Deutscher Anwaltverlag 2008, 350 Seiten, 39 €
3824009770
 
 
 
Der Autor gibt einen systematischen Überblick über die anwaltliche Arbeit in der Hauptverhandlung und die Aktionsmöglichkeiten des Verteidigers. Dies beginnt bei der Vorbereitung in der Zusammenarbeit mit dem Mandanten, reicht von Problemen bei der Terminierung und der Bestellung zum Pflichtverteidiger über Beweisfragen und Anträge sowie dem Umgang mit Zeugen. Angereichert wird der Band mit zahlreichen Formularen, sodass er hervorragend für den Anfänger bei der Vorbereitung der Hauptverhandlung genutzt werden kann.
 
 
Klemke/Elbs
Einführung in die Praxis der Strafverteidigung
C.F. Müller, 2007, 408 Seiten, 34,00 €
 
 
Eine gründliche Vorbereitung und Organisation ist für effektive Verteidigung von Bedeutung. Die Schriftenreihe „Praxis der Strafverteidigung“ aus dem C.F. Müller Verlag, bietet seit vielen Jahren hierfür Grundlagen, allgemeine Übersichten und Spezialliteratur. Die Autoren dieses Bandes richten sich insbesondere an Einsteiger und Anwälte, die nur gelegentlich in Strafsachen verteidigen. Sie stellen daher einige wesentlichen Grundlagen der strafrechtlichen Verteidigung dar, ausgehen von den Aufgaben des Verteidigers, die in erster Linie auch Informationsbeschaffung und Umgang mit dem Mandaten bestehen. Im Weiteren durchlaufen die Autoren die einzelnen Stationen einer Strafverteidigung und schildert zahlreiche problematische Situationen, mit denen sich ein Verteidiger auseinandersetzen muss. Erfolgreich kann die Arbeit mit dem Buch auch für den Anfänger sein, da durch zahlreiche Muster und Formulierungshilfen der junge Anwalt systematisch durch das Minenfeld einer Strafverteidigung geführt wird.
 
Volckart u.a.
Verteidigung in Vollstreckung und Vollzug
C.F. Müller, 4. neu bearbeitete Auflage 2008, 317 Seiten, 42,00 €
 
 
 
 
Bereits seit vielen Jahren bemühte sich Richter am OLG Volckart Anwälte und Strafverteidiger für eine Verteidigung in der Strafvollstreckung zu begeistern. Unermüdlich veröffentlichte er zu diesem Thema, sein Buch zur „Verteidigung in Vollstreckung und Vollzug“ und das in einem anderen erschienene Werk zum „Maßregelvollzug“ setzen Standards, die in anderen Werken zu diesem Thema nicht erreicht wurden.
 
Auch heute noch ist dieses Buch ein wichtiger Bestandteil einer jeden Strafrechtsbibliothek. Es ist das besondere Anliegen der Autoren klar zu machen, dass Strafverteidigung, der Kampf für die Rechte und Interessen des Mandanten, nicht mit der Rechtskraft eines Urteils endet. Für den betroffenen Mandanten fangen die Probleme in dieser Situation oft erst an. Die Autoren diskutieren und beschreiben alle denkbaren Situationen: nicht nur die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe oder Geldstrafe nebst Ersatzfreiheitsstrafe mit den damit verbundenen Problemen. Selbstverständlich behandeln sie auch die Nebenstrafe Fahrverbot! Dieses Buch bietet mit seinen zahlreichen Hinweisen Anleitungen eine große Hilfe bei jeder Verteidigung. Es ist absolut unvorstellbar, dass ein Verteidiger seinen Aufgaben gerecht wird, ohne alle Tipps aus diesem Buch zu kennen.
 
Janssen
Gewinnabschöpfung im Strafverfahren
C. F. Müller, 2008, 159 Seiten, 39,00 €
 
 
 
Die Regelungen der §§ 111 ff. StPO sind kompliziert und unübersichtlich, von Betroffenen jedoch oft von überragender Bedeutung. Als Strafverteidiger eigennützig gedacht: Zum Einen sind sie eine Quelle neuer Verdienstmöglichkeiten, zum Anderen aber auch Grundlage für ein erhebliches Haftungsrisiko.
 
Bei Gewinnabschöpfung in Strafverfahren (und Bußgeldverfahren) sind Gerichte und Staatsanwaltschaften noch in manchen Bereichen zurückhaltend – erkennbar ist aber, dass sie von Verwaltung und Ministerien sowie vom Gesetzgeber angehalten werden, in die Vermögenssituation von Beschuldigten und Verurteilten einzugreifen. Gerade die Vorbereitung von Verfall und Einziehung im Strafverfahren führen bereits im Ermittlungsverfahren möglicherweise zu ganz erheblichen Eingriffen in die Grundrechte von Beschuldigten. Oft wird die gesamte wirtschaftliche Beweglichkeit eines Beschuldigten oder gar des hinter ihm stehenden Unternehmens betroffen. Schnelles und sicheres Handeln des Verteidigers ist daher notwendig.
 
Janssen hat in seinem Buch daher ausführlich die materiell rechtlichen Grundlagen diskutiert und die Verteidigungsmöglichkeiten eines engagierten Strafverteidigers dargestellt. Für die Praxis ist das Buch eine große Hilfe.
 
 
 
Ulsenheimer
Arztstrafrecht in der Praxis
C.F. Müller 2008, 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage
724 S., 72 €
 3811436104
 
Strafrechtliche Fragestellungen im Zusammenhang mit der Ausübung des ärztlichen Heilberufes sind so vielfältig, dass eine zusammenfassende Darstellung auf breites Interesse trifft. Bedeutet doch die Tätigkeit als Arzt die permanente Berührung mit strafrechtlich geschützten Rechtsgütern und die Gefahr, bei Komplikationen oder möglichen persönlichen Fehlleistungen nicht nur mit Schadensersatzforderungen, sondern auch mit strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert zu werden. Dies ist Ausfluss einer starken Verrechtlichung der Medizin – ein Rad, das wohl nicht zurück gedreht werden kann. Umso größer wird der Bereich, in dem ein Arzt Beratungsbedarf im Hinblick auf sein Verhalten bei einer strafrechtlichen Konfrontation hat – das klassische Gebiet des Strafverteidigers. Da die üblichen Kenntnisse eines Strafrechtlers unter Umständen nicht ausreichen, um hier umfassend zu beraten, ist jeder Verteidiger, der auf dem Gebiet des Arztstrafrechts tätig sein will, gut beraten, das Buch von Ulsenheimer zur Grundlage seiner Tätigkeit zu machen.
 
Denn der Autor – selbst Rechtsanwalt in München mit dem Schwerpunkt Arzthaftungsrecht und Hochschullehrer an der Ludwig-Maximilias-Universität München und seit vielen Jahren anerkannter und viel beachteter Referent im Medizinrecht – legt mit der Neuauflage seines Praxishandbuchs eine nochmals erweiterte, aber nach wie vor praxisgerechte Grundlage für anwaltliche Beratung von Ärzten vor. Sein Ziel, auch für Ärzte zu schreiben, behält er trotz der deutlichen Ausrichtung auf den Strafverteidiger im Auge – dieser ist aber sicherlich der Hauptadressat des Buches.
 
Die Neuauflage beschäftigt sich zusätzlich zum bisherigen, bereits ansehnlichen Umfang des Handbuchs mit der Rechtsprechung zur Aufklärungspflicht des Arztes in unterschiedlichen Konstellationen, mit den Problemen der Arbeitsteilung in Heilberufen und des Auswirkungen von Organisationsdefiziten sowie der Untreue durch den Vertragsarzt. Die Darstellung der Probleme der Präimplantationsdiagnostik und der Sterbehilfe – letzteres ein klassisches strafrechtliches Thema – sind komplett überarbeitet und neu dargestellt.
 
Die mit diesen Themen einhergehende Konzentration auf materiellrechtliche Probleme wird passend ergänzt durch strafprozessuale Ausführungen, denen ein wichtiges Credo vorangestellt ist: Der mit einem strafrechtlichen Vorwurf konfrontierte Arzt sollte sich so rasch wie möglich mit einem kompetenten Strafverteidiger in Verbindung setzen, um nicht am Anfang des Verfahrens entscheidende taktische Fehler zu machen. Eine Tatsache, die jedem Strafverteidiger geläufig ist, und von der man hoffen kann, dass sie von möglichst vielen Medizinern gelesen und beherzigt wird. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang aber auch die taktische Vorgehensweise, die der Autor vorschlägt. So empfiehlt er – selbstverständlich nach entsprechender anwaltlicher Beratung – in der Regel eine Erklärung des Arztes zur Sache zu erarbeiten, um auf diese Weise das Ermittlungsverfahren möglichst frühzeitig zu beeinflussen. Hinter dieser Empfehlung steht der richtige Gedanke, dass der Arzt die Gelegenheit ergreifen muss, als medizinischer Spezialist dem in der Regel nicht besonders medizinisch gebildeten Staatsanwalt zu erklären, weshalb er sich in der konkreten Situation zu einer bestimmten Verhaltensweise entschieden hat. Solche Gründe sind insbesondere im medizinischen Bereich nicht so allgemein ersichtlich, als dass man sich darauf verlassen dürfte, der ermittelnde Staatsanwalt werde es erkennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
 
Um in diesem frühen Stadium vorausschauend die richtige Beratungsempfehlung zu geben, tut der Strafverteidiger gut daran, das Handbuch von Ulsenheimer zu Rate zu ziehen, das über die unbestreitbare inhaltliche Qualität hinaus auch hervorragend lesbar geschrieben ist. Eine unbedingte Empfehlung für den medizinstrafrechtlich ausgerichteten Strafverteidiger!   
 
Dr. Oliver Brinkmann
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Strafrecht
 
 
Achenbach/Ransiek
Handbuch Wirtschaftsstrafrecht,
C.F. Müller, 2 Auflage 2008, 1.303 Seiten, 138,00 €
 
 
 
Die Sensibilität der Justiz, nicht zuletzt unter einem gewissen öffentlichen Druck seitens der Bevölkerung und der Medien, ist für Probleme des Wirtschaftsstrafrechts deutlich gestiegen. Dies kann man auch den Statistiken entnehmen: von etwa 6,3 Mio. registrierten Straftaten (2006) wurden jetzt nach der polizeilichen Kriminalstatistik ca. 100.000 der Wirtschaftskriminalität zugerechnet, was einen Anstieg um mehr als 7 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Dies zeigt zugleich, dass eine Spezialisierung auf Wirtschaftsstrafrecht – oder gar auf spezielle Bereiche des Wirtschaftsstrafrechts für Strafverteidiger sinnvoll und notwendig ist: das Spektrum dieses Fachgebietes, das auch in diesem Buch abgebildet wird, reicht von Korruption, Wettbewerbsstraftaten über Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz, Datendelikten, Urheberstrafrecht, Markenstrafrecht und Umweltverstößen zu den eher klassischen Bereichen wie Betrug, Untreue, Insolvenzstraftaten und den Bilanzdelikten.
 
Das Handbuch orientiert sich an dieser Deliktseinteilung und arbeitet umfassend das materielle Strafrecht praxistauglich auf. Dabei streift es auch Fragen von Sanktionen gegen Unternehmungen, Maßnahmen, die nach bundesdeutschem Recht noch nicht sehr ausgeprägt sind, in der der Tendenz aber durch internationale Einflüsse in Zukunft verstärkt problematisiert werden.
 
Neu in der zweiten Auflage haben die Herausgeber einen Beitrag über „Private Ermittlungen“ aufgenommen. Die Autoren dieses Beitrages befassen sich mit den Möglichkeiten und Grenzen solcher Ermittlungsmaßnahmen, die zum Beispiel in der internen Aufklärung eines Geschädigten Unternehmens durch eigene Mitarbeiter bestehen können. Auch diese Bereiche eröffnet Beratungsmöglichkeiten im Rahmen der Prävention für Anwaltskanzleien, die Zugang zu den Führungsebenen von Unternehmungen haben. Ein interessantes Gebiet, das seitens der Anwaltschaft noch nicht in größerem Umfange erarbeitet wurde.
 
 
Dölling/Duttke/Rössner (Jrsg.)
Gesamtes Strafrecht
StGB | StPO | Nebengesetze
Nomos, 1. Auflage, 2008, 3290 Seiten, 118 Euro
 
 
Der Verlag bietet – zu einem unschlagbaren Preis – einen vollständigen Kommentar des StGB sowie der StPO mit GVG an: Darüber hinaus beinhaltet das Werk aber auch noch eine Kommentierung des JGG, des OWiG und einiger wichtiger Vorschriften des Nebenstrafrechts (StVG, Vereinsgesetz, Versammlungsgesetz, Abgabenordnung u. a.).
 
Die Kommentierung ist praxisorientiert – dies erkennt der nutzer bereits an der sachlichen Sprache der Autoren, denen es erkennbar um praxisgerechte Lösungen der auftretenden Probleme geht. Es werden sämtliche Probleme des Strafrechts erarbeitet, wobei die wesentlichen Fragen des Nebenstrafrechts, des Ordnungswidrigkeitenrechts in die Kommentierung des StGB beziehungsweise an passender Stelle der StPO integriert sind.
 
Beispielsweise ist § 34 StVO im Zusammenhang mit § 142 StGB kommentiert, was naheliegt. Dabei stellt der Autor (Pflieger) klar, dass die erweiterten Pflichten nach § 34 („jeder Beteiligte hat anderen am Unfallort anwesenden Beteiligten und Geschädigten anzugeben, dass er am Unfall beteiligt war und auf Verlangen seinen Namen und seine Anschrift anzugeben, sowie ihnen Führerschein und Fahrzeugschein vorzuweisen und nach bestem Wissen Angaben über seine Haftpflichtversicherung zu machen“) nicht zu den strafbewehrten Pflichten des § 142 StGB zählen.
 
Man merkt den Kommentierungen des Buches an, dass sie für die direkte Nutzanwendung der forensisch tätigen Juristen gedacht sind. In diesem Sinne ist es ein Werk mit hohem Nutzen für Anwälte, Staatsanwälte und Richter – die umfassenden Hinweise auf weiterführende Literatur ermöglichen auch eine wissenschaftlich vertiefte Erarbeitung der strafrechtlichen Fragestellungen..
Wolfgang Ferner , Fachanwalt für Verkehrsrecht
 
 
Deckers
Strafverteidigung
Berliner Wissenschaftsverlag 2005, 151 Seiten, 20 €
 3830510683
 
 
Auch dieser preiswerte Band der Schriftenreihe ,,juristische Weiterbildung’’ ermöglicht einen knappen Einstieg in das Problem der Strafverteidigung, insbesondere hier Organisation des Mandates und Handeln des Verteidigers vor Gericht.
 
Dabei gelingt es Deckers auf den wenigen Seiten seines Bandes zahlreiche Probleme- mit der Möglichkeit der eigenen Fortbildung anzusprechen um so eine engagierte Verteidigung im Ansatz zu ermöglichen.
Diese Bände der ,,juristischen Weiterbildung’’, Begleitbücher der DAV- Anwaltsausbildung’’, sind ein Gewinn für junge Anwälte und Berufsanfänger.
 
Leitner/ Michalke
Strafprozessuale Zwangsmaßnahme
C.H. Beck, 2007, 217 Seiten, 36,90 €
 340653855X
 
Bereits im Ermittlungsverfahren sind die prozessualen Zwangsmaßnahmen, für Betroffene und Beschuldigte besonders belastend. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen heimlichen Zwangsmaßnahmen und offenen Zwangsmaßnahmen und beschreiben ausführlich die Überwachung der Telekommunikation, die Überwachung von Personen durch technische Mittel und die Überwachung von Personen durch Personen Durchsuchung und Beschlagnahme sowie Identifizierung und erkennungsdienstliche Maßnahmen.
 
Dabei sparen die Autoren ,,Maßnahmen, die die Urteilsfolgen vorwegnehmen- vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis und vorläufiges Berufsverbot’’ aus. Sie konzentrieren sich ganz auf die Beweisgewinnung durch Zwangsmaßnahmen. Besonders interessant ist die ausführliche Darstellung der Probleme bei Durchsuchung und Beschlagnahme- die abgerundet wird mit einer ,,Verhaltensempfehlung bei Durchsuchung und Beschlagnahme’’: allerdings außer dieser ,,Verhaltensempfehlung’’ verzichten die Autoren auf Formulierungshilfen und Muster und verweisen nur gelegentlich auf Praxistipps wie etwa den Hinweis, alle TKÜ-Beschlüsse dahingehend zu überprüfen, ob ein ausreichender Anfangsverdacht beschrieben wurde.
 
Konsequenter Weise gibt es daher auch wenige Handlungsanweisungen oder Darstellung von Handlungsmöglichkeiten. Es ist vielmehr eine materiell rechtlich Aufarbeitung von praxisnahen Problem auf hohem Niveau. Dem Verteidiger werden ausreichende Kenntnisse vermittelt, die er in einer Hauptverhandlung jeweils selbst umsetzen muss - seinem Temperament entsprechend und gemessen an der konkreten Verfahrenssituation.
 
Burrhoff/Stephan
Strafvereitlung durch den Strafverteidiger
LexisNexis 2008, 201 Seiten, 34 €
3896552341
 
 
 
Strafverteidigung ist Kampf um das Recht, wie ein historisches Zitat belegt. Gelegentlich ist es aber auch ein Kampf mit dem Recht. Der Verteidiger baut eine Vertrauensbeziehung zu seinem Mandanten auf, er erhält den Auftrag zu helfen und möchte auch helfen. Wie weit darf er da gehen? Dies ist oft die Frage für den engagierten Verteidiger, wo beginnt ein Graubereich und wann sind die Grenzen zur Strafbarkeit überstritten?
 
Darf ein Anwalt seinen Mandanten von einer Selbstanzeige wegen einer Straftat abraten? Darf er zur Entwicklung einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie an einem Gespräch eines anderen Verteidigers mit dessen Mandanten, einem Mitbeschuldigten, teilnehmen? Darf der Verteidiger seinem Mandanten Akten aushändigen? Darf er seinem Mandanten von geheim gehaltenen Maßnahmen - etwa einer bevorstehenden Verhaftung - darf ein Anwalt Akten des Gerichts in seiner Kanzlei zurückhalten, um das Verfahren zu verzögern? Darf der Verteidiger einen Zeugen benennen, der bereit und entschlossen ist einen Meineid zu leisten? Wie weit darf ein Anwalt mit der Kontaktaufnahme hinsichtlich eines Zeugen gehen?
 
Bereits dieser kurze Katalog von Fragen zeigt Probleme und Fallstricke. Jeder Anwalt, der Strafverteidigungen übernimmt, ist gut beraten, sich mit der Materie intensiv auseinander zu setzen. Es ist sinnvoll hierzu das Buch von Buchoff/Stephan zu Rate zu ziehen.
 
Dahs/Dahs
Die Revision im Strafprozess,
Verlag C.H.Beck, 7. Auflage 2008, 282 Seiten, 38 €
 3406559042
 
Effektive Strafverteidigung ohne gute Kenntnisse des Revisionsrechts ist nicht möglich - damit ist keineswegs gemeint, dass eine Strafverteidigung in der Tatsacheninstanz so geplant und organisiert werden sollte, dass die Beteiligten auf einen Erfolg in der Revisionsinstanz hoffen: Wichtig ist aber, dass gerade in verfahrensrechtlicher Hinsicht eine Diskussion in der Hauptverhandlung nur geführt werden kann, wenn die Bedeutung der Regeln für die Revision vom Verteidiger erkannt wird.
 
Besonders deutlich wird dies an der Theorie der ,,Widerspruchslösung’’: Voraussetzung für die Geltendmachung von Verwertungsverboten ist, dass Widerspruch gegen die Verwertung der Vernehmung - auch durch Anhörung einer Vernehmungsperson - in der Hauptverhandlung erhoben wird.[1] Dieser Widerspruch muss in der Hauptverhandlung ausdrücklich erklärt werden und spätestens im Rahmen des Erklärungsrechts gemäß § 257 StPO geltend gemacht werden. Versäumt der Verteidiger dies, kann der Widerspruch auch in der Berufung oder in einer neuen Hauptverhandlung nicht nachgeholt werden.[2]
 
Selbstverständlich geht Dahs auf diese Problematik ein. Auch das Problem des angeblichen Missbrauchs von Verteidigungsrechten[3] hat Dahs in seine Diskussion aufgenommen. Der Verteidiger muss dabei beachten, dass es bei mehrtägigen Hauptverhandlungen nach der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes den Instanzgerichten in der Zwischenzeit gestattet ist, dem Angeklagten und seinem Verteidiger entgegen dem Gesetz eine Frist für die Stellung von Beweisanträgen zu setzen[4]. Weiter hat der BGH bestimmt, dass bei fortgeschrittener Beweisaufnahme verstärkte Anforderungen an die Konnexität zwischen Beweisthema und Beweismittel gestellt werden, die von dem Antragssteller dargelegt werden müssen[5].
 
Erkennbar ist, dass die Anforderungen an eine erfolgreiche Revision ständig erhöht werden. Der Verteidiger benötigt daher einen Überblick über den aktuellen Rechtsstand des Revisionsrechts. Ein Anliegen des Autors ist es, diesen aktuellen Rechtsstand für alle Beteiligten zu analysieren und kompakt darzustellen. Da Dahs ausdrücklich betont, ,,ein allgemein gültiges Schema’’, das alle prozessrechtlichen Strukturen erfasst, die in Revisionsverfahren an Bedeutung gewinnen, gebe es nicht, verzichtet er auch auf Muster  und Checklisten, wie sie in neueren Büchern modern geworden sind.
 
Als Leitfaden für das Revisionsrecht ist das Buch nicht nur empfehlenswert, sondern besonders wichtig, wenn nicht sogar unentbehrlich wichtig.
 
 

[1] Siehe auch BGH St 38, 214, BGH NStZ 2004, 389, BGH St.50, 272.
[2] BGHSt.50,272.
[3] Siehe BGH St. 38. 111; BGH NStZ 2007, 49
[4] BGH Beschluss vom 9.5.2007,1 Str.32/07= NZV 2008,362
[5] BGH, Urteil vom 10.06.2008, 5 St 38/08=ZJS 2008,554
 
Ahlbrecht u.a.
Internationales Strafrecht in der Praxis
C. F. Müller, 2008, 565 Seiten, 69 €
 3811443526
 
 
 
Internationales Strafrecht: das ist eine Herausforderung für jeden Anwalt und Strafverteidiger. Der Anwalt benötigt hierfür eine praxisnahe Darstellung der Verfahrensregeln und einen leichten Zugang zu den Rechtsquellen und der bisherigen Rechtsprechung.
 
Dieses Buch bietet hierfür das nötige Rüstzeug– es beschreibt die Verfahren und Verhandlungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die bei Individualbeschwerden häufig von Beschuldigten und Mandanten als weitere mögliche Instanz aufgefasst werden. Die Autoren befassen sich aber auch mit Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof, den Kontrollausschüssen der UNO und dem Europäischen Gerichtshof.
 
Als grenzüberschreitende Verteidigung sind natürlich auch sämtliche Rechtshilfeverfahren und hierbei insbesondere Auslieferungsverfahren und Verfahren auf Grund eines europäischen Haftbefehls von Bedeutung. Dies sind Aufgaben eines Verteidigers, die angesichts des rasant zusammenwachsenden Europas sowie einer fortschreitenden Reisetätigkeit von Menschen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das sich hierbei regelmäßig Berührungspunkte mit ausländischen Rechtsordnungen ergeben ist ebenso klar, wie die Tatsache dass sich auch global agierende Unternehmungen diesen Fragen stellen müssen.
 
Dies alles ist eine Herausforderung für die Strafverteidigung. Die Autoren dieses Buches haben ein Praktikerhandbuch zusammengestellt, das abgerundet wird mit einer Darstellung des Völkerstrafrechts und des hierfür zuständigen Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag (ICC).
 
Heghmanns/Scheffler
Handbuch zum Strafverfahren
C. H. Beck, 2008, 1274 Seiten, 125 €
3406561578
 
Über den Ablauf eines Strafverfahrens kann man nicht genug lernen - für die Vorbereitung einer Verteidigung kann man nicht genug Ratschläge erhalten und verarbeiten.
 
Auch wenn dieses Buch nicht gezielt auf Verteidigungsstrategie ausgerichtet ist, kann auch ein Anwalt das Werk mit Gewinn nutzen. Die Autoren orientieren sich streng am Ablauf eines Strafverfahrens und spiegeln diesen aus der Perspektive der unterschiedlichen Beteiligten wider. Dies hat zur Folge, dass die Annnahme des Mandates und alles was in diesem Zusammenhang problematisch ist (Berufsrecht, Werbung, Honorar, Geldwäsche) ausgeblendet bleibt
 
Die Autoren legen allerdings besonderen Wert auf Fragen wie eigene Ermittlungen des Verteidigers, Informationsbeschaffung auf sonstige Weise, insbesondere Akteneinsicht. In diesem Kapitel geht der Autor ausführlich auf die verschiedenen Arten der Aktenführung ein, das Einsichtsrecht und wie ein Verteidiger dieses durchsetzten kann.
 
 
Arloth
Strafvollzugsgesetz, C. H. Beck, 2. Auflage, 2008, 68,00 €
3406575927
 
Die Arbeit mit Strafgefangenen gehört zum Alltag eines Strafverteidigers. Rechtliche Grundlage hierfür ist das Strafvollzugsgesetz, das in die Kompetenz der Länder durch die Föderalismusreform übergeleitet wurde.
 
Das Werk von Arloth umfasst daher neben dem Strafvollzugsgesetz (Bund) die neu verabschiedeten Strafvollzugsgesetze der Länder Bayern, Hamburg und Niedersachsen. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist es absolut notwendig, ein aktuelles Kommentarwerk zur Hand zu haben, das aus der Praxis der vergangenen Jahre zukunftsweisend die Probleme aufarbeitet. Der Kommentar von Arloth schafft dies in besonders kompakter Form. Dabei geht Arloth nicht nur auf die rechtlichen Grundlagen ein, sondern erfasst auch die praktische Handhabung in den einzelnen Vollzugsanstalten. Dem Autor ist damit ein wichtiges Werk gelungen.
 
 
 
Bernsmann/Gatzweiler
Verteidigung in Korruptionsfällen
C. F. Müller, 2008, 302 Seiten, 42,00 €
3811433636
 
 
Die Autoren haben ein Lehrbuch und einen Spezialkommentar zu den §§ 331-336 und der besonderen Ausprägung der Untreue als Begleitdelikt erarbeitet und dabei auch die prozessualen Fragen detailliert bearbeitet.
 
Das Buch kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem Korruption und Vorteilsnahme erschreckende Ausmaße annehmen und mit einem besonderen Interesse in den Medien begleitet werden.
 
Die Autoren haben besonderen Wert darauf gelegt, all diese Aspekte zu erarbeiten und den Anwalt mit entsprechenden Ratschlägen zur Seite zu stehen. Mit diesem Buch ist ein Verteidiger deshalb gut vorbereitet auf alle Fassetten dieser Verfahren.
 
 
Meyer-Goßner
Strafprozessordnung
C. H. Beck, 51. Auflage 2008, 2192 Seiten, 74 €
3406576613
 
Der Kommentar von Meyer-Goßner ist keineswegs ein Spezialkommentar, den nur Fachanwälte für Strafrecht, Staatsanwälte oder Strafrichter nutzen können: Auch der „Fachanwalt für Verkehrsrecht“ kommt ohne ein solides Fundament, bestehend aus einem präsentem Grundwissen sowie der Möglichkeit Details in Literatur und Rechtsprechung schnell zu erschließen, nicht aus, wenn der den aktuellen Fragestellungen seiner Mandanten gerecht werden will. Der Standardkommentar von Meyer-Goßner ist hierfür eine hervorragende Grundlage.
 
Beides wird deutlich an Hand der Kommentierung von § 81a StPO deutlich: die Anordnung einer Blutentnahme. Ohne Zweifel sind die Voraussetzungen für die Anordnung der Entnahme einer Blutprobe durch das Verfassungsgericht geklärt (BVerfG, Beschluss vom 12.2.207, 2 BvR 273/06 = BA 2008, 71). Entscheidend ist die Frage, die diskutiert anschließend diskutiert wird, ob bei einem Verstoß gegen die richterliche Anordnung ein Beweisverwertungsverbot entsteht. Dies wurde mit Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 28.7.2008, 2 BvR 784/08 abgelehnt. Diese Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts entspricht der bisherigen Kommentierung und der weitgehenden Auffassung der Gerichte. Die neuere Entwicklung, insbesondere der Beschluss des OLG Hamm vom 18.8.2009, zeigen, dass die Rechtsprechung sich weiter entwickelt – der Nutzer wird daher auch die nächste Auflage des Kommentars kaufen müssen.
 
In dem Kommentar von Meyer-Goßner werden natürlich auch alle übrigen, wichtigen Probleme des Strafprozess ausführlich behandelt.
 
 
Die Buchreihe zur Zeitschrift
StRR – Schriften für die Strafrechtspraxis
 
Nach der Initiierung durch den Verlag C. F. Meyer mit seiner Reihe „Praxis der Strafverteidigung“ und den danach folgenden Werken in der anspruchsvollen Reihe des Beck-Verlages „Strafverteidigerpraxis“ eine weitere Folge von Büchern (Verlag Lexis Nexis „ZAP“), die den praktischen, forensisch tätigen Strafverteidiger im Fokus hat: Schriften für die Strafrechtspraxis.
 
Roggenwallner/Pröbstl
Vernehmenscoaching
ZAP-Verlag , 150 Seiten, 29,00 €, 2008
3896553844
 
 
 
Vernehmenscoaching soll zum Beispiel dem Strafverteidiger ermöglichen, mit den anderen Beteiligten des Strafprozesses effektiv kommunizieren zu können, mit Zeugen, dem Angeklagten und Sachverständigen. Zusammengefasst wird das Buch durch fünf Checklisten mit den Themen:
 
  1. Vernehmung von Zeugen allgemein
  2. Vernehmung von Kindern
  3. Vernehmung von Ausländern
  4. Vernehmung von Minderbegabten
  5. Glaubhaftigkeit
 
Ein wichtiges Kapitel für Verteidiger ist natürlich immer die Frage, wie komme ich an einen Zeugen heran, ist er mir feindlich gesonnen, gleichgültig oder eher positiv? Dabei ist eines der entscheidenden Probleme natürlich, dass im Strafverfahren der Verteidiger nie der Erste ist, der fragt, denn die Möglichkeit des Kreuzverhörs spielt im deutschen Strafprozess keine Rolle. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist stets, wie die Beteiligten des Verfahrens  die Glaubhaftigkeit von Aussagen beurteilen können und werden!
 
Die Glaubwürdigkeit eines Zeugen muss bereits im Vorfeld abgetastet werden – hierfür fehlen aber in zahlreichen Fällen die notwendigen Mittel, um Erkundigungen einzuholen und anschließend zu bewerten. Einzige Quelle, einziger Ansatzpunkt ist daher das persönliche Umfeld des Mandanten, der Mandant selbst, seine Freunde oder seine Familie. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der Verteidiger sich entscheidende Dinge auch mehrfach erzählen lassen muss, möglicherweise aus unterschiedlichen Blinkwinkeln. Der Verteidiger muss sich daher stets dagegen wehren, wenn sein Fragerecht durch Bemerkungen wie „das hat der Zeuge doch schon beantwortet“ unterbrochen werden soll. Zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit ist es von besonderer Bedeutung, dass ein Zeuge Sachverhalte konstant erzählt.
 
Aus dem Werk ergibt sich, dass die Beurteilung der Glaubwürdigkeit jedenfalls keine Fähigkeit ist, die mit der Übertragung eines Richteramts auf diesen automatisch übergeht – sie ist genauso wenig eine Erkenntnisquelle, die man nicht erlernen kann und die mit zunehmender Erfahrung „automatisch“ kommt. Auch diese Teile einer strategischen Verteidigung müssen erarbeitet werden.
 
 
Junker
Beweisantragsrecht im Strafprozess
ZAP-Verlag, 2007, 224 Seiten, 34,00 €
3896553089
 
 
Der Beweisantrag ist ein wichtiges Mittel des Verteidigereinspruchs auf das Ergebnis und den Ablauf eines Strafverfahrens zu nehmen. Unabdingbar sind daher, beste Kenntnisse der theoretischen Grundlagen sowie eine genaue Kenntnis der Rechtsprechung hierzu. Über diese Fragen kann man als engagierter Strafverteidiger auch nicht genug lesen, insbesondere, da die Rechtsprechung ständig im Fluss ist.
 
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Herrmann
Untersuchungshaft
ZAP-Verlag, 1. Auflage, 2008, 456 Seiten, 44,00 €
3896553046
 
 
Untersuchungshaft ist für den betroffenen Beschuldigten oft die schlimmste Entwicklung eines Strafverfahrens. Eines der daraus resultierenden Probleme für die Strafverteidigung ist die Neigung zu einem vorschnellen Geständnis, von dem die Beschuldigten hoffen, später durch Widerruf abrücken zu können.
 
Untersuchungshaft hat eine soziale und familiäre Stigmatisierung zur Folge, häufig Verlust des Arbeitsplatzes und Einbuße der bisherigen bürgerlichen Existenz. Da in den meisten Fällen die Inhaftierung überraschend kommt, im Ergebnis aber ein großer Anteil vorläufig Inhaftierte später noch vor dem Strafprozess wieder entlassen werden, ergibt sich schon hieraus die Notwendigkeit für den Verteidiger schnell und sicher zu agieren. Das Buch von Herrmann ist hierfür eine gute Vorbereitung, ein sinnvolles Nachschlagewerk und eine praktische Hilfe im anwaltlichen Alltag.
 
Zieger
Verteidigung in Jugendstrafsachen
C. F. Müller, 5. Auflage, 2008, 303 Seiten, 38,00 €
ISBN 978-3-8114-3409-7
 
 
 
Immer wieder steht das Jugendstrafrecht – und in der Regel die Verschärfung des Jugendstrafrechts – im Fokus der politischen Diskussion. In der Regel werden eine Verschärfung des Strafrechts und eine Beschränkung der Verteidigungsrechte gefordert, was auch immer wieder von Politikern im Gesetzgebungsverfahren aufgenommen wird. Zieger macht klar, dass es auch für die Verteidigung eines Jugendlichen besonderen Fingerspitzengefühls bedarf. In dieser „Gemengelage“ zwischen öffentlichem Druck, politischer Ideenlosigkeit und auch einer Verschärfung der Rechtssprechung, die bei Fragen der „Schwere der Schuld“ die Jugendstrafe generalpräventiv verhängt und den erzieherischen Gedanken hinten anstellt, bedarf es eines besonderen Engagements des Verteidigers. Problematisch ist auch die Sicherungsverwahrung bei Jugendlichen, eine Übermaßreaktion, auf die leider immer wieder zurück gegriffen wird.
 
Das Buch von Zieger ist ein Plädoyer, das die praktischen Ansätze einer Verteidigung nicht vergisst und auch immer wieder psychologische Fragen der Verteidigung in Jugendstrafsachen streift.
 
 
Sauer
Konsensuale Verfahrensweisen im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht
C. F. Müller, 2008, 254 Seiten, 45,00 €
ISBN 978-3-8114-3442-4
 
 
 
Fragen rund um den „Deal“ beherrschen seit Jahren die juristische Diskussion. Zahlreiche Entscheidungen des BGH haben den Weg zu einer rechtlich einwandfreien Lösung aufgezeigt – die Praxis weicht allerdings häufig von diesen Vorgaben ab. Das neue Gesetz wird in der Praxis leer laufen.
 
In vielen Bereichen, nicht nur im Wirtschaftsstrafrecht – dürfte diese Form der Verfahrenserledigung überwiegen.
 
Sauer fasst mit seinem Buch das Know-how einer Konsensverteidigung zusammen. Er beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Chancen und Risiken von Verständigungen und Wege dies mit dem Mandanten angemessen zu erörtern
 
Eisenberg
Beweisrecht der StPO
C. H. Beck, 6. vollständige überarbeitete Auflage 2008, 973 Seiten, 118 €
3406566820
 
 
Eisenberg legt einen überarbeiteten Spezialkommentar zum Beweisrecht der Strafprozessordnung vor. Dabei har er das Buch jetzt nach „Problemkreisen“ geordnet: Beweisgrundsätze, Beweisantrag und Beweisverbote; Rechte des Beschuldigten, Geeignetheit von Vernehmungstechniken, Rechte und Pflichten von Zeugen, Aussagefähigkeit und Glaubwürdigkeit, Rechte und Pflichten des Sachverständigen sowie Rechtsfragen zum Urkunden- und Augenscheinsbeweis sowie Fragen der Beweisbeschaffung (hierbei insbesondere Beschlagnahme, Durchsuchung und Überwachung der Telekommunikation)
 
Dazu erfolgen im Kommentar regelmäßig Hinweise auf die Besonderheiten des Verfahrens in Bußgeldsverfahren, die Besonderheiten nach dem OWiG.
 
Das Buch ist eine wichtige Ergänzung der Bibliothek; für Juristen, die hauptsächlich im Bereich des Strafrechts und Ordnungswidrigkeitrechts arbeiten, ist es auch sicher unverzichtbar.
 
 
 
 
Schäfer/Sander/van Gemmerem
Praxis der Strafzumessung
C.H. Beck, 4. Auflage 2008, 440 Seiten, 45,00 €
 3406565220
 
 
Die Bedeutung der Strafzumessungsverteidigung wird deutlich an Entscheidungen des Bundesgerichtshofs – ein Großteil der erfolgreichen Revisionen ist gestützt auf Rügen der Verletzung der Zumessungsregeln.
 
Eine Beherrschung des Instrumentariums des StGB im Zusammenhang mit der Strafzumessung ist daher von besonderer Bedeutung. Literatur zu diesem Thema gibt es kaum, die Zusammenstellung in diesem Buch ist für Strafverteidiger – aber auch für Richter – daher von besonderer Bedeutung.
 
Dies gilt auch für Verteidigung im Verkehrsstrafsachen – und daher ist es von praktischem Interesse, dass die Autoren in der Neuauflage auch eine Art Katalog der Strafzumessung aufgenommen haben. Der Verteidiger wird daher dabei aber stets beachten, dass die Autoren im Wesentlichen aus der Sicht eines Richters die Probleme aufgearbeitet haben.
 
 
 
Fischer
Strafgesetzbuch
C.H. Beck, 56. Auflage 2009, 2.618 Seiten, 74,00 €
3406580833
 
 
 
Der Kommentar von Fischer erscheint in einem schnellen Rhythmus – der der Fülle der Rechtsprechung und dem Aktionismus des Gesetzgebers geschuldet ist. Eingearbeitet wurden in die neue Kommentierung 500 aktuelle Entscheidungen, insbesondere im Bereich der Strafzumessung.
 
Mit diesem Werk ist damit im Grunde die wesentliche Rechtsprechung bis einschließlich 2008 eingearbeitet. Dieser Kommentar gehört zum Handwerkzeug eines jeden Verteidigers und es lohnt sich stets ein Blick vor jeder Hauptverhandlung in diesen Kommentar.
 
 
Arloth
Strafvollzugsgesetz
C.H. Beck, 2. Auflage 2008, 1.215 Seiten, 68,00 €
3406575921
 
 
 
Selbst dem besten Verteidiger wird es nicht gelingen, nur Freisprüche seiner Mandanten zu erreichen – da Strafverteidigung allerdings auch nicht mit dem rechtskräftigen Urteil eines Gerichts bzw. einer Einstellung durch die Staatsanwaltschaft endet und nicht alle Strafbefehle bezahlt werden, muss sich auch jeder Strafverteidiger mit Fragen des Strafvollzuges befassen.
 
Dies wurde durch die Föderalismusreform noch zusätzlich erschwert, da die gesetzgeberische Zuständigkeit für den Strafvollzug auf die Länder übergegangen ist. Hinzu kommt, dass Strafverteidiger überregional tätig sind, mithin auch in der Regel Mandanten in mehreren Bundesländern haben.
 
Eine praxisbezogene Kommentierung tut daher gut.
 
Das Werk Von Arloth umfasst die Kommentierung des Bundesgesetzes sowie der Landesgesetze von Bayern, Hamburg und Niedersachsen, wobei die Landesgesetze sowohl den Erwachsenen- als auch den Jugendstrafvollzug regeln. In diesem Zusammenhang ist es besonders hilfreich, dass erstmals für diese neuen Gesetze eine Kommentierung vorgelegt wird. Ohne entsprechende Einleitung ist die Bearbeitung von strafrechtlichen Mandaten künftig nicht mehr möglich. Dieses Buch von Arloth ist eine gelungene Grundlage hierfür.
 
Festschrift für Gerhard Fezer
Edda Wesslau u. Wolfgang Wohlers
de Gruyter 2008, 620 Seiten, 164,95€
3899494396
 
 
Gerhard Fezer hat sich in vielen Jahren detailliert um Fragen des Prozessrechts gekümmert – besonders aktuell: mit Fragen der Beweisgewinnung. Unter welchen Umständen gilt ein Beweisverwertungsverbot, wann ein Beweiserhebungsverbot und unter welchen Bedingungen bleibt das Rechtsmittel der Revision noch eine wirksame Waffe im Strafprozess.
 
Ausgehend von diesen Fragen haben sich namhafte Autoren (u. a. Ulrich Eisenberg, Helmut Frister, Rainer Keller, Reinhold Schlothauer, Stephan Barton, Rainer Hamm) mit Fragen auseinandergesetzt zu „Zeugenschutzprogramme und Wahrheitsermittlung im Strafprozess“, „Plädoyer für die Streichung der Vorschriften über die Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme“, „Strafprozessuale Beweisstrukturen“, „Zur strafprozessualen Verwertbarkeit von im Ausland abgelegten Geständnissen“. Alles aktuelle und pryisbezogene Probleme des heuten Strafprozesses und man kann diese Fragestellung ohne weiteres ausdehnen auf die Frage, „Was ist zur Wahrheitermittlung erlaubt“.
 
Die Aufsätze sind weit über den Tag hinaus von Bedeutung und werden auch in Zukunft die Diskussion über die Rechtsstaatlichkeit von strafprozessualen Handlungen beeinflussen.
 
 
Weiner/Haas
Opferrechte bei Stalking, Gewalt- und Sexualverbrechen
C.H. Beck, 2009, 255 Seiten, 15,90 €
3423506644
 
Die Autoren befassen sich ausführlich mit den Problemen der Opfer von Straftaten und ihrer Angehörigen. Es ist ein Buch, das sich wieder an den Laien richtet und von daher versucht äußerst behutsam in die komplizierten Strukturen des Rechts bei Stalking und Gewalt- sowie Sexualstraftaten. Themen des Buches sind Nebenklage, Schadenersatz, Schmerzensgeld und weitere Rechte, insbesondere bei häuslicher Gewalt nach dem Gewaltschutzgesetz. Das Buch ist ein umfassender Berater, der auch für die anwaltliche Praxis mit Gewinn benutzt werden kann.